Secondhand & bewusster Konsum

Secondhand für Kinder: Wann sinkt die Umweltbelastung durch Textilien?

Ein nur wenige Wochen getragener Body kann einem anderen Baby noch lange dienen. Gebrauchte Kleidung zu kaufen macht aber nicht automatisch jeden Einkauf umweltfreundlicher. Entscheidend ist unter anderem, welchen Kauf sie ersetzt, wie lange sie getragen und wie sie weitergegeben wird.

Bei Kindersachen kannst du handeln, ohne jeden Kauf kompliziert zu berechnen: Nutze, was noch passt, repariere, wenn es sinnvoll ist, und gib tatsächlich brauchbare Stücke weiter.

Die Umweltbelastung beginnt vor der ersten Anprobe

Die Herstellung von Kleidern benötigt Energie, Wasser, Chemikalien und Rohstoffe. Das BAFU hebt unter anderem den Ressourcenbedarf von Baumwolle hervor und empfiehlt, weniger neue Kleidung zu kaufen, die nur kurz getragen wird. [1]

Es geht also nicht erst um das Wegwerfen. Liegt ein Kleidungsstück lange im Schrank, wurden die Ressourcen für seine Herstellung trotzdem bereits verbraucht, selbst wenn es noch neu aussieht. Zuerst vorhandene Kleider zu prüfen kann dagegen neue Produktion vermeiden, wenn dadurch tatsächlich ein Neukauf ersetzt wird.

Wiederverwenden und Recyceln sind nicht dasselbe

Wiederverwenden bedeutet, ein Kleidungsstück erneut zu nutzen: für dein Kind, ein Geschwister, Bekannte oder eine andere Familie. Recycling verarbeitet das Material für eine neue Verwendung. Aus einem Sack im Sammelcontainer wird deshalb nicht unbedingt ein neuer Pullover.

In seinem im April 2025 vorgestellten Bericht nennt der Bund einen Wiederverwendungsanteil von rund 60 % der gesammelten Textilien. Er hält ausserdem fest, dass der grösste Teil im Ausland sortiert und verwertet wird und die Verwertungsmöglichkeiten in der Schweiz begrenzt bleiben. Diese Aussage betrifft die Sammlung und misst nicht jeden Austausch zwischen Familien. [2]

Die Sammlung bleibt wichtig. Sie ersetzt aber nicht die Überlegung, wie viel du kaufst und in welchem Zustand du Dinge abgibst.


Hände reparieren eine Kinderjeansjacke mit einem Stoffstück.

Ein guter Secondhand-Kauf deckt einen klaren Bedarf

Notiere vor der Suche, was fehlt: eine Jacke für die nächste Jahreszeit, eine schulgeeignete Hose oder Pyjamas in der richtigen Grösse. Mit dieser Liste vergleichst du die Nutzung statt nur den Preis.

Ein sehr günstiges Paket kann zu unnötigen Vorräten führen, wenn du nur zwei Stücke nutzt. Der Ratgeber zum preiswerten Einkleiden deines Kindes hilft, die Kosten der brauchbaren Artikel zu berechnen, ohne einen sicheren Weiterverkauf des Rests anzunehmen.

Die FRC warnt ebenfalls vor Mechanismen, die den Konsum anregen und sich zugleich als Kreislaufwirtschaft darstellen, etwa Sammlungen mit Einkaufsgutscheinen als Belohnung. Kleidung abzugeben und danach ohne Bedarf nachzukaufen garantiert keinen Umweltvorteil. [3]

Länger nutzen, ohne alles retten zu müssen

Lies die Pflegehinweise, lagere Kleider sauber und trocken und behebe kleine Mängel, bevor sie stören. Eine ausgebesserte Naht kann ein gut passendes Stück länger nutzbar machen. Unbequeme oder zu kleine Kleidung wird durch eine Reparatur nicht automatisch nützlich.

Unser Artikel zur Reparatur von Kinderkleidern hilft bei der Entscheidung nach Stoff, Zustand und verfügbarer Zeit. Bei aufbewahrten Kleidern verhindert eine klare Sortierung nach Grössen, dass du Vorhandenes vergisst und nochmals kaufst.

Daraus muss keine Pflicht werden, alles zu behalten. Eine rechtzeitig weitergegebene Auswahl kann mehr nützen als ein Vorrat, dessen Inhalt niemand mehr findet.

Gib Kleider weiter, die jemand nutzen kann

Nenne beim Verschenken oder Verkaufen Grösse, Jahreszeit, Zustand und Mängel. Ein gut beschriebenes Paket hilft der anderen Familie zu entscheiden, ob sie es braucht. Reinige die Artikel gemäss Pflegehinweisen und lasse sie vor dem Einpacken trocknen.

Beachte bei Sammlungen die Vorgaben der Organisation. Ein Kleidercontainer ist nicht für sämtliche Textilabfälle vorgesehen. Das BAFU unterscheidet insbesondere zwischen sauberen, noch tragbaren Stücken und schmutzigen oder stark beschädigten Textilien. [1]

Du kannst zunächst eine kleine Auswahl zum Weiterverkaufen sortieren, ohne einen ganzen Tag für alle Schränke einzuplanen.


Zwei Erwachsene übergeben sich einen Kleiderstapel an einem Tauschtisch.

Beachte auch Wege und zusätzliche Käufe

Denke beim Vergleich an Anfahrt, Versand und zusätzliche Anschaffungen. Du kannst eine Übergabe mit einem geplanten Weg verbinden oder ein Paket mit wirklich brauchbarem Inhalt wählen. Das sind praktische Entscheidungen. Daraus lässt sich aber kein CO₂-Einsparungsprozentsatz pro Kauf ableiten.

Frage dich am besten: Ersetzt dieser Kauf etwas, das ich sonst neu gekauft hätte, und wird das Kleidungsstück getragen? Falls nicht, kann das Angebot warten, selbst wenn es verlockend ist.

Ein für Familien machbarer Ansatz

Du musst nicht euren gesamten Konsum umstellen. Beginne mit einer Grösse, einer Reparatur oder einer geplanten Übergabe. Es geht darum, Gebrauchtes länger zu nutzen und Brauchbares wieder in Umlauf zu bringen.

Loona bereitet eine Secondhand-Plattform für Familien in der Schweiz vor. Auf der Warteliste kannst du den Start mitverfolgen. Das Projekt soll es Familien erleichtern, noch brauchbare Kindersachen weiterzugeben.

Quellen

[1] BAFU — Bekleidung und Schuhe

[2] Bundesrat / BAFU — Bericht zur Verwertung gebrauchter Textilien

[3] FRC — Secondhand-Kleidung: die Kehrseite der Medaille

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© 2026 Loona — Alle Rechte vorbehalten

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